Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Funktion der Webseite zu ermöglichen. Wenn Sie weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr erfahren
In Ihrem Webbrowser ist JavaScript deaktiviert. Um alle Funktionen dieser Website nutzen zu können, muss JavaScript aktiviert sein.
Der innere Wert des Goldes - Mit Edelmetallbezug - Goldseiten-Forum.com | Das Diskussionsboard für Edelmetalle & Rohstoffe

Der innere Wert des Goldes

    • Der innere Wert des Goldes

      Währungen kommen und gehen. Wenn in alten Chroniken oder anderswo von Gulden die Rede ist, dann können wir den Wert dieses alten Geldes heute nicht mehr ermessen. Was ist der Wert eines Guldens, welchen Wert hatte ein Bauernhaus, welchen Wert hatte ein Maltersack Getreide, wie lange mussten die Menschen arbeiten um 10 Gulden zu verdienen, um sich einen Sack Korn zu kaufen, eine Kuh, gar ein Haus?
      Die Angaben über Preise und Gulden bleiben seelenlose Zahlen, solange kein Bezug geschaffen wird zur Gegenwart. Diesen Bezug will ich hier herstellen. Dazu brauchen wir einen Maßstab, eine Ware die damals mit heute vergleichbar ist. Es eignet sich zum Beispiel eine Kuh, ein Pferd, der Arbeitslohn eines Handwerksgesellen, ein Sack Getreide. Neben dem Getreide sind vor allem zwei Stoffe geeignet, den Wert einer Ware zu vergleichen: Gold und Silber, denn diese Stoffe waren damals dieselben wie heute und gleichermaßen begehrt. Die im 16., 17., 18. und teilweise 19. Jahrhunderts verwendete Währung (Süddeutschland) war der Gulden, und dieser war ausschließlich in Münzform im Umlauf, nicht in Papierform, und enthielt einen gleichbleibenden Anteil an Silber. Silber war das Geld des kleinen Mannes, größere Geschäfte wurden in Gold abgewickelt. Der Anker, mit dem sich die Preise vergleichen lassen, ist also eigentlich das Silber, seit dieses keine Geldfunktion mehr hat, ist Gold als Vergleichsmaßstab und Anker an seine Stelle getreten.

      Der rheinische Gulden war die überregionale Goldwährung im ausgehenden Mittelalter und wurde für größere Geschäfte verwendet. Ein rheinischer Gulden hatte von 1420 bis 1477 einen Goldgehalt von 2,78 Gramm.
      Ansonsten war die Währung hier in meinem Dorf seit jeher der Gulden. Dieser war eine Silberwährung. Ein Gulden enthielt 9,6 Gramm Silber.
      Da das Gold/Silberverhältnis jahrhundertelang 15,5 zu 1 war, läßt sich der Preis eines Guldens gut in Gold ausdrücken: 1 Gulden entsprach genau 0,62 Gramm Gold.

      Im Jahr 1872 wurde die Währung auf Mark umgestellt. 1 Mark entsprach 0,358 Gramm Gold, und der Gulden wurde folgendermaßen umgetauscht: 1 Gulden = 1,71 Mark, was wiederum ein Gold/Silberverhältnis von 15,5 zu 1 ergab.
      Die jahrhunderte alte Silberwährung Gulden wurde also im Jahr 1872 abgelöst durch die Goldwährung Mark. 2793 Mark hatten genau den Wert von 1 kg Gold. Dieses Verhältnis blieb bis 1914 bestehen, als wegen dem Weltkrieg die Golddeckung der Mark aufgegeben wurde. Mit Gold lassen sich nämlich seit dem 20. Jahrhundert keine langen Kriege mehr führen, mit Papiergeld hingegen schon.

      Ich habe viel Zeit investiert um in alten Chroniken und Heimatbüchern Preisangaben zu finden. Ich mach’s kurz. Die folgenden Zahlen sind verlässliche, gemittelte Werte (südliches Schwabenland).

      Immobilien:
      1 kleineres / mittleres Bauernhaus = 1 kg Gold
      1 größerer Hof = 2,5 kg Gold
      1 Gutshof = 5 kg Gold

      Lohn:
      1 Jahr Arbeit (Handwerksmeister) = 100 g Gold
      1 Jahr Nachtwächtertätigkeit = 35 g Gold
      Jahreslohn eines Handwerkergesellen = 70g Gold
      Jahreslohn des Pfarrers = 190 g Gold

      Lebensmittel:
      1 Malter = 110 kg
      110kg Dinkel = 6 g Gold (normale Zeiten)
      110kg Dinkel = 12 g Gold (Teuerung)
      110kg Dinkel = 15,4 g bis 38,7 g Gold (Teuerung und Misswuchs). Anno 1770.
      110kg Dinkel = 26 g Gold (Hungersnot)
      110kg Dinkel = 53 g Gold (Hungersnot und Krieg) (30jähr. Krieg)

      Schlacht- Transporttiere:
      1 Kalb 6,4 g Gold
      1 „Stierlein“ 13 g Gold
      1 Kuh 8 g Gold
      1 Pferd 19 g Gold in Friedenszeiten bis 64 g Gold in Kriegszeiten

      Die Ackerpreise um 1894 schwankten viel stärker als heute, waren bei etwa 1200 bis 1800 Mark, im Mittel grob geschätzte 1500 Mark für einen Hektar guten Ackerlandes. Rechnen wir über den Goldanker in die heutige Währung um. 1500 Mark = 537g Gold, und das sind heute 17700 Euro. Wir sehen hier, dass Ackerland seinen Wert im Wesentlichen knapp behalten hat seit etwa 100 Jahren, denn heute bezahlt man für einen Hektar gutes Ackerland (hier) etwa 13000 Euro und das sind 393g Gold. Ackerland ist etwas günstiger als vor 100 Jahren.
      Also: 1 Hektar Ackerland = 537 g Gold (anno 1894).

      Was läßt sich aus den Zahlen schließen? Zum einen die Tatsache, daß der Goldpreis heute allgemein zu niedrig ist, denn in wirtschaftlichen Überflußzeiten und jahrzehntelangen Friedensperioden strebt kaum jemand nach Gold, und dessen Preis ist dann entsprechend gering.
      Wer heute Geld und Gold in den Händen hat, fragt sich: wie viel Dinge kann ich damit kaufen. Früher fragte man sich hingegen: wie lange kann ich mit der Goldmünze überleben. Konsumieren oder überleben ist ein gewichtiger Unterschied, und dementsprechend hatte das Gold einen anderen Stellenwert als heute.

      Immobilien:
      Zum anderen schließe ich aus den Zahlen, daß die heutigen Immobilienpreise um den Faktor fünf zu hoch sind. Natürlich sind die heutigen Häuser moderner, stabiler gebaut, und bieten mehr Luxus als die Höfe aus dem 18. Jahrhundert. Das spielt aber beim Preisvergleich keine Rolle. Noch der kleinste Hof war früher ein Betrieb, ein Mittel zum Überleben, eine Existenzgrundlage, eine Voraussetzung zur Familiengründung, während die heutigen Häuser nur zum Wohnen zu gebrauchen sind.
      Heute bekommt fast jedermann einen Kredit zum Hausbauen, gleich dazu noch ein neues Auto auf Kredit, und muß keinen Pfennig gespart haben und keinen Finger krumm machen. Vor 200 Jahren galt jedoch: erst sparen, dann kaufen. Hart arbeiten, dann haben. –
      Die kommende Wirtschaftskrise wird die Wohnhäuserpreise um den Faktor fünf oder eher zehn nach unten drücken (in Gold gemessen), wenn niemand mehr einen Kredit bekommen wird zum Häuserbauen.

      Löhne:
      Arbeitswillige Menschen gab es im Überfluß, denn ein jeder mußte arbeiten um zu überleben. Gold war unglaublich schwer zu bekommen, und dementsprechend hoch war sein Preis, gemessen in Arbeit. Das natürliche Verhältnis von Arbeitslohn zu Gold war immer etwa 1 Jahr Arbeit = 100g Gold.

      Lebensmittel:
      Hier ist für die Zukunft ein gleich bleibender Preis (in Gold) gegenüber heute zu erwarten. Achtung. Das gilt nur für „normale“ Zeiten. In Hungernot und Krieg kann es zu einem Anstieg um das 2 bis 8fache kommen.

      Bis zum Ende der kommenden Wirtschaftskrise, also etwa bis zum Jahr 2029, werden wir solche Verhältnisse vermutlich wieder sehen (viel niedrigere Löhne, viel niedrigere Häuserpreise, gleich bleibende Getreidepreise).

      Wer kann mir weitere Zahlen liefern, für die Preise von Lebensmitteln, Schweine, Kühe, Fleischpreise, Häusern, Löhnen im 17.- bis 19. Jahrhundert?
    • auch von mir...

      nix zum Thema, aber ein herzliches Dankeschoen! [smilie_blume]

      Ich finde es immer wieder spannend in die Vergangenheit zu schauen und zu wissen wie es denn mal war, auch wie die Menschen gelebt haben. Eine Rueckbesinnung auf das wesentliche kann sicher nicht schaden, denn nur mal angenommen der Strom waere weg, was dann???? Fuer mich fast unvorstellbar OHNE Strom zu leben.
      So langsam müsste auch der naivste Mensch erkennen, dass unser Wetter massivst manipuliert wird. Chemtrails, künstliche Wolken, angebliche "shiptrails" ... alle Nase lang Wetterkapriolen... ES REICHT!!!himmelbeobachter.de blauerHimmel.info Für einen Himmel ohne künstliche Wolken!
      chemtrail.de sauberer-himmel.de
    • ein Super-Artikel, vielen Dank :thumbsup:

      interessant ist der Vergleich von Dinkel in den verschiedenen Situationen

      110kg Dinkel = 6 g Gold (normale Zeiten)
      110kg Dinkel = 12 g Gold (Teuerung)
      110kg Dinkel = 15,4 g bis 38,7 g Gold (Teuerung und Misswuchs). Anno 1770.
      110kg Dinkel = 26 g Gold (Hungersnot)
      110kg Dinkel = 53 g Gold (Hungersnot und Krieg) (30jähr. Krieg)


      ich meine, der Unterschied zwischen 6 Gramm in normalen und 53 Gramm in einer Extremsituation die 30 Jahre andauert ist enorm. Das Edelmetall schmilzt in solchen Zeiten also wie Butter an der Sonne, der Wert der eigenen Bestände relativiert sich u.U. doch wesentlich.
      Langfristig sind wir alle tot (Tract on Monetary Reform - John Maynard Keynes)
    • Gleichfalls Danke für die interessante Darstellung.
      Mit Daten aus dem Raum Schwaben kann ich nicht dienen, aber mit einem Literaturtipp:
      Wolfgang Trapp - "Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland".
      Dort wird auch recht ausführlich auf da Thema historische Preise und Einkünfte eingegangen. Die Daten stammen vor allem aus Franken und Bayern,aber teilweise auch aus Württemberg.

      Was mir an der ganzen Sache immer ein klein wenig Bauchschmerzen bereitet ist die Tatsache, daß eigentlich immer zwischen "damals" und heute verglichen wird, wobei damals mal 2000, mal 500 und mal 100 Jahre zurückliegen. Was mich brennend interessieren würde wäre eine einigermaßen kontinuierliche Zeitreihe für die letzten etwa 500 Jahre für wichtige Objekte, wie z.B. Land, Häuser, Getreide, Brot, Fleisch und Kleidung. Besonders der Vergleich 1800-1900 und 1900-2000 wäre hochspannend.
      Beides sind Perioden gigantischer wirtschaftlicher Umbrüche und hoher Wachtumsraten, aber einmal unter reiner Silber- und Goldwährung, und andererseits unter Übergang zum völlig ungedeckten Papiergeld.
      This is a signature placeholder. It has been placed here to hold the
      place for a real .sig. If such a .sig is placed at this place, (i.e.,
      a replacement takes place), it replaces the placeholder by occupying
      the place where this placeholder was placed in the first place.
    • Jawoll! Sowas hab ich gesucht! Wirklich interessant, da kann man wirklihc mal sehen, wie wenig die damals verdient haben, bzw. wie billig Gold heute (noch) ist. Damals war kein Geld da für irgendeinen Firlefanz.

      Was mich mal interssiert, heute bekommt man einen neuen Kleinwagen für ca. 20.000 EUR, also ca. 19 Unzen Gold.
      Wie viel musste man Ende des 19 Jh. für eine kleine Kutsche mit einem Gaul bezahlen?
      Autos waren wohl noch viel zu teuer, da die Technologie noch zu neu war.

      OK, heute haben wir ja das Problem, daß in den Preisen überall die ganzen Schuldzinsen mit eingerechnet sind...
      +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
      Erfolgreich gehandelt mit: supersammler
      +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    • Tiberius1 schrieb:

      Wer kann mir weitere Zahlen liefern, für die Preise von Lebensmitteln, Schweine, Kühe, Fleischpreise, Häusern, Löhnen im 17.- bis 19. Jahrhundert?
      Dateien
      "Die Aktie ist die einzige Anlageform, mit der eine langfristige Vermögensmehrung nach Steuern und Inflation möglich ist"
      (Peter Lynch)
    • @Tiberius1

      Eine sehr schöne Studie !

      Ich hoffe, Du nimmst mir ein paar kleine Anmerkungen nicht übel:
      Die Basiswährung Silber im Reich war während des gesamten von Dir genannten Zeitraums der Taler, im späten16. Jh. z.T. noch der Reichs-Guldiner (im Talergewicht). Die Guldenwährung wurde nur regional benutzt. Auch der Gold-Gulden wurde in vielen Regionen schon bald vom etwas schwereren (Normgewicht: 3,46 g) Dukaten abgelöst. Ab etwa Mitte der 1630er Jahre ging man dann in West und Norddeutschland überall zur Dukatenprägung über. In Nürnberg bspw. geschah dies im Jahre 1632, in Frankfurt 1633. In Teilen Süddeutschlands überlebte der Gold-Gulden vereinzelt.

      Aber das nur am Rande. Ansosnten wie gesagt eine prima Arbeit :thumbsup:

      Gruß,
      Goldelefant
    • @Tiberius1

      Wie gesagt - im süddeutschen Raum war das regional durchaus nicht selten. Ich habe vor einigen Jahren im Rahmen einer Ausarbeitung selbst mal etliche Rechnungsbücher aus dem 16. bis 18. Jh. gewälzt, die auch überwiegend mit fl rechneten. Kam entscheidend auf das jeweilige Herrschaftsgebiet an.

      Gruß,
      Goldelefant